Mit der Fähre nach Mallorca: Ein Selbstversuch

Weil es sich bei Mallorca – Achtung, Spoiler! – um eine Insel handelt, stellt es für die meisten Urlauber keine Option dar, mit dem eigenen Auto herunterzufahren. Warum auch, kommst Du mit dem Flugzeug doch von ganz Deutschland aus innerhalb von gut zwei Stunden dort an, was trotz Billigfliegern und geringen Sitzabständen für die meisten die angenehmste Möglichkeit darstellt.

Doch wer unter extremer Flugangst leidet oder unbedingt das eigene Auto dabei haben will, kann auch mit der Fähre nach Mallorca fahren – aber ist das wirklich eine Option, über die man nachdenken sollte? Ich habe es ausprobiert.

Der Preisschock

Die Suche nach einer Fähre nach Mallorca gestaltet sich gar nicht so einfach: Ich kenne unzählige Internet-Portale, auf denen man Flugpreise und Pauschalreisen miteinander vergleichen kann, doch wo um alles in der Welt findet man Vergleichsseiten für Fähren? Und woher weiß ich, ob die jeweilige Seiten seriös sind, wenn ich ihre Werbung nicht zehn Mal am Tag im Fernsehen sehe?!

Google spuckt mir nach kurzer Suche immerhin drei verschiedene Seiten aus und einigermaßen schnell finde ich heraus, dass für mich eigentlich nur die Route Barcelona-Palma in Frage kommt, die von drei verschiedenen Anbietern gefahren werden soll.

Auf den zweiten Blick erkennen ich, dass einer dieser Anbieter inzwischen allerdings offenbar pleite ist oder die Route schlichtweg eingestellt hat, weshalb nur zwei übrig bleiben: Balearia und Trasmediterranea. Beide fahren jedoch nur am späten Abend (etwa 23 Uhr) in Barcelona ab und kommen am frühen Morgen (gegen 7 Uhr) in Palma an – unter guten Reisezeiten verstehe ich etwas anderes.

Aber egal, da muss ich jetzt durch, mal gucken, was eine Fahrt kostet, zwei Personen und ein Auto, das kann ja nicht so teuer se– 400 EURO FÜR EINE FAHRT?! Ohne Kabine? Und das nicht einmal in der Hauptsaison, sondern an einem ganz gewöhnlichen Wochentag Anfang April?

Zugegeben, ich bin ein wenig schockiert: 300 Euro kosten mich in der Regel nicht einmal zwei Flüge für zwei Personen, Hin- UND Rückflug wohl bemerkt, und die Fahrt mit der Fähre macht ja nur einen Teil der gesamten Kosten aus. Ein wenig irritiert suche ich die zweite Vergleichsseite auf, die zu dem gleichen Ergebnis kommt.

Ich will schon frustriert auf „Buchen“ drücken, gebe dann aber auch dem letzten Portal noch eine Chance: Ocean24, das klingt doch ganz einladend – und tatsächlich erhalte ich hier ein Angebot für knapp 150 Euro. Wo ist der Haken? Gibt es einen Haken? Nein, anscheinend fährt das Auto hier gerade zufällig kostenlos mit, was in dem günstigeren Preis resultiert, dafür bekommen wir nur reservierte Sitzplätze statt einer Kabine. Egal, nehm ich!

Empfehlenswerte Hotels in Palma:

Auf nach Barcelona!

Gut eine Woche später erhalte ich den Voucher von Ocean24 per Post und ein paar weitere Wochen später geht die Reise los: Mit dem Auto durch Belgien, Luxemburg, Frankreich und Spanien, mit einem Zwischenstopp in der Gegend um Lyon herum, weil die Strecke von 1500 Kilometern in diesem Fall einen Tick zuviel für einen Tag war.

Das Wetter ist gut, die Autobahnen sind relativ leer und die Fahrt an sich ist deshalb recht angenehm, auch wenn sich die Kosten läppern: 150 Euro für die Fähre, knapp 200 Euro für Benzin, gut 100 Euro Autobahngebühren in Frankreich und Spanien, 70 Euro die Übernachtung, dazu ein bisschen Verpflegung – mit Hin- und Rückfahrt wäre ich dann schon fast bei 1000 Euro, ohne Hotel und Essen im Urlaub! Dafür gibt es in der Nebensaison pauschal eine Woche Halb- oder sogar Vollpension in guter Lage.

Aber auch abseits der Kosten gestaltet sich die Fahrt mit der Fähre nach Mallorca nicht gerade angenehm: Wir erreichen Barcelona bereits am frühen Abend gegen 18 Uhr und suchen zunächst ein wenig verzweifelt das Terminal von Balearia, an dem wir unseren Voucher gegen unsere Tickets eintauschen müssen. Die Ausschilderung am Hafen lässt schwer zu wünschen übrig und wenn man sich an dem riesigen Kreisverkehr am Hafen verfährt, muss man gefühlt einmal um die halbe Stadt fahren, bevor man wieder umdrehen darf.

Schließlich entdecken wir aber das Terminal, stellen unser Auto im Parkhaus nebenan ab und werden drinnen recht schnell am Schalter mit einer knappen Wegbeschreibung abgefertigt. Die ist allerdings halbwegs brauchbar, so dass wir gegen 20 Uhr in eine von zahlreichen Reihen unter ein seltsames, unfertiges Betonkonstrukt eingewiesen werden. Und dann heißt es: Warten.

Theoretisch soll die Fähre zwar um 23 Uhr ablegen und das Boarding um 21:30 Uhr enden, tatsächlich aber sehen wir bis etwa 22:30 Uhr nur einen LKW nach dem anderen auf die Fähre fahren. PKWs kommen ganz am Schluss und müssen sich die letzten hundert Meter alleine ihren Weg über das unübersichtliche Hafengelände suchen. Immerhin dürfen wir – anders als mehrfach von Balearia behauptet – beide im Auto an Bord gehen; zahlreiche Hinweisschilder ließen es so klingen, als müsse der Beifahrer das Schiff zu Fuß betreten.

Die Fahrt mit der Fähre

Die Fähre von Balearia ist auf den ersten Blick sehr geräumig und erweckt einen ordentlichen Eindruck: Sauber, nicht besonders alt, es gibt nicht viel in Hinblick auf „Unterhaltung“, aber Lounge und eine Cafeteria sehen ganz ordentlich aus. Leider verflüchtigt sich der positive Eindruck recht schnell wieder, als wir unsere Sitze sehen: Das Schiff ist riesig, aber die wenigen Sitze sind in einem so kleinen Raum zusammengepfercht, dass der Sitzabstand kaum größer als im Flugzeug ist. Warum? Man weiß es nicht.

Gegen 23 Uhr soll es dann eigentlich losgehen, doch ein anderer Passagier bestätigt unseren Eindruck von der Unübersichtlichkeit am Hafen – denn an Bord befindet sich ein Auto, das eigentlich nach Menorca will! Nach gut einem dutzend Durchsagen und einer Stunde Wartezeit findet sich endlich der blinde Passagier, der die Fähre allerdings erst verlassen kann, nachdem auch mehrere andere Passagiere wieder ihr Auto herausgefahren haben, weil die Enge an Bord es anders nicht zulässt.

Mit über einer Stunde Verspätung geht es also los, was uns letzten Endes aber auch mehr oder weniger egal sein kann, denn an Schlafen ist hier so oder so nicht zu denken. Die Sitze sind unbequem, der Sitzabstand ist viel zu klein und die Lampen an der Decke blenden, weil sie nicht komplett ausgeschaltet werden, viel zu hell sind. Möglich, dass in den zahlreichen Kabinen Schlaf möglich wäre, aber das hilft uns jetzt auch nicht weiter.

Nach einer zu kurzen Nacht öffnet die Cafeteria am nächsten Morgen gegen 6 Uhr, wir machen uns sofort auf den Weg dorthin und sehen, wie die Fernfahrer ihre Nacht verbracht haben: Auf dem Fußboden ausgestreckt in der Lounge liegend. Mein Rücken tut schon beim Gedanken daran weh.

Das Frühstück geht für ein paar Euro in Ordnung, es gibt Kaffee und den obligatorischen Süßkram, aber wir sind froh, als wir Palma um etwa 7 Uhr erreichen und eine halbe Stunde später von Bord fahren können…

Mein Fazit

Wahrscheinlich lässt sich mein Fazit schon aus den vorherigen Zeilen herauslesen: Mit der Fähre nach Mallorca zu fahren, war eine Qual. Die Wartezeiten, die Sitze an Bord, vor allem aber auch die Abfahrts- und Ankunftszeiten sind schlimm, denn wer eine Nacht nicht geschlafen hat, dann aber nach der Ankunft am frühen Morgen noch einen gesamten Tag vor sich hat, ist zu Beginn seines Urlaubs erst einmal wie gerädert. Dazu kommen die hohen Kosten sowie die verdammt lange Fahrzeit mit dem Auto, welche die „Alternative Fähre“ nicht wie eine Alternative wirken lassen.

Das Fazit kann für mich daher nur lauten: Wer nach Mallorca will, aber unter so großer Flugangst leidet, dass er über eine Fahrt mit der Fähre nachdenkt, sollte das Geld lieber in ein Seminar gegen Flugangst investieren. Ernsthaft.

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