Ballermann: Neue Regeln, neue Touristen?

Der Ballermann war über zwei bis drei Jahrzehnte hinweg für viele Deutsche das Sinnbild eines Mallorca-Urlaubs: Ein schöner, langer Strand, nicht weit von der Inselhaupstadt Palma entfernt, Party-Stimmung mit lauter Musik, Sangria aus dem Eimer, im Restaurant gab’s Wiener Schnitzel und deutsch war beinahe Amtssprache.

Doch wie in so vielen anderen Regionen der Welt ist auch auf Mallorca der Party-Tourismus nur noch mäßig beliebt, andere Touristen sollen angesprochen werden – und die Einführung neuer Benimmregeln in den vergangenen zwei Jahren stellte dafür nur den Anfang dar.

Ballermann 6 Foto

Die neuen Regeln

Dabei wirken die neuen Regeln auf den ersten Blick harmlos und nachvollziehbar. Zahlreiche Schilder am Playa de Palma weisen darauf hin, dass das Trinken von Sangria aus Eimern verboten und das Anbieten vom Massagen am Strand nicht erwünscht ist, dass keine laute Musik abgespielt werden darf und dass man sich doch bitte ein T-Shirt überziehen möge, wenn man vom Strand zurück zu seinem Hotel geht.

Auch in den Hotels selbst liegen entsprechende Hinweise aus, zudem weisen Ordnungshüter vor Ort bei etwaigen Verstößen gegen die neuen Regeln auf selbige hin.

Gleichwohl sind die neuen Regeln nur ein Teil der Veränderung, denn nahezu die gesamte Strandpromenade von Can Pastilla bis S’Arenal soll „aufgehübscht“ werden: Mit neuen Grünanlagen und Fußgängerzonen, zwei großen Shopping-Malls in der näheren Umgebung – aber auch mit dem Umbau alter Hotels und dem Neubau von Luxushotels.

Foto vom Hotel Helios in Palma

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Luxus statt billig

Auch das, eine Sanierung, klingt nicht verkehrt, doch die tatsächlichen Absichten, die dahinter stecken, offenbaren sich bei genauerer Betrachtung der Pläne.

So soll es beispielsweise in zehn Jahren keine Hotels mit weniger als drei Sternen mehr am Ballermann geben, was im Umkehrschluss natürlich bedeutet, dass es weniger günstige Unterkünfte gibt.

Vor allem bei Neubauten liegt das Augenmerk stark auf dem Schlagwort „Luxus“, aber auch die Investitionen in bereits bestehende Gebäude setzen den Schwerpunkt klar darauf.

Nicht, dass der Ballermann alleine betroffen wäre: Auch in Magaluf, der britischen Party-Hochburg im Westen von Palma, sind ähnliche Bestrebungen zu erkennen, wenn auch – trotz wesentlich stärkerer „Auffälligkeiten“ der dortigen Urlauber – noch deutlich verhaltener.

Überall jedoch ist von Qualitätstourismus die Rede, was in Anbetracht der darin verborgenen Aussage, dass die bisherigen Touristen am Ballermann dann wohl keine Qualität hatten, einen unangenehmen Beigeschmack erhält.

Zudem erscheint es fraglich, ob innerhalb weniger Jahre der Imagewechsel von der Partymeile zum gehobenen Urlaubsort vollzogen werden kann, doch einen längeren Zeitraum dürften sich die meisten Hotels kaum leisten können.

Was das Ganze mittelfristig für den Ballermann bedeutet, bleibt daher abzuwarten. Zumindest kurzfristig dürften sich die Änderungen für die meisten Touristen jedoch in Grenzen halten, wenn sie gewillt sind, die kleinen und weitgehend nachvollziehbaren Einschränkungen in Hinblick auf das Verhalten am Strand und auf der Strandpromenade zu beachten.

Zumal S’Arenal und Playa de Palma mit ihren zahlreichen Restaurants, Imbissen, Clubs und Großraumdiscos natürlich auch weiterhin das Partymekka der Insel darstellen. Vorerst zumindest.

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